Kinder-Videokommentar
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Inhalt
Eines Tages taucht die kleine Momo, ein Waisenkind, in dem kleinen Städtchen auf und wohnt in einem alten Amphitheater. Durch ihre Gabe anderen Menschen zuhören gewinnt sie schnell viele Freunde. Die Menschen haben Zeit füreinander und genießen das Leben. Doch alles ändert sich, als seltsame, graue Männer auftauchen und die Bewohner zum Zeitsparen überreden. Das Leben wird hektischer, keiner hat mehr Zeit und bald ist Momo wieder alleine. Die grauen Männer versuchen Momo mit Puppen zu korrumpieren, doch sie durchschaut das Vorhaben und wird dadurch zu einer ernsten Gefahr. Sie wollen Momo ausschalten, doch die weise Schildkröte Kassiopeia bringt Momo zu Meister Hora, dem Wächter der Zeit. Gemeinsam wollen sie die Zeitdiebe zur Strecke bringen, doch ...
Kommentar und Hinweise für Eltern
Die Vorlage zu Momo stammt aus der Feder des deutschen Schriftstellers Michael Ende (Die unendliche Geschichte). Den gleichnamigen Roman veröffentlicht er 1973. Die Regie dieser deutsch-italienischen Koproduktion wurde Johannes Schaaf (Traumstadt) übertragen, der hier seine letzte Regiearbeit abliefert. Gedreht wurde in den Cinecittà-Studios in Rom.
Das phantasievolle Märchen um das Waisenkind Momo schafft es Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu beeindrucken. Während Kinder die gefühlvolle Geschichte und die phantastischen Elemente mit den grauen Männern und Meister Hora, dem Wächter der Zeit, der in seiner eigenen Welt lebt, beeindruckt, können Erwachsene den sozialkritischen Aspekten einiges Abgewinnen. Die Geschichte ist eine Allegorie auf unsere Gesellschaft, wo alles immer optimiert werden muss und schneller geht. Zeit ist Geld. Ein Spruch, der im Geschäftsleben gerne zitiert wird und dort sicherlich wahr ist, die Menschen aber immer unter Druck setzt. Im Film wird anhand einer beschaulichen Kleinstadt, wo die Menschen noch Zeit füreinander haben, gezeigt, welche Einflüsse die zunehmende Hektik und Zeitdruck auf den Alltag hat. Die Menschen werden egoistischer und langsam zu Werkzeugen der Wirtschaft, das Persönliche im Leben, was das Leben eigentlich erst lebenswert macht, verschwindet. Die Zeitdiebe werden hier als graue, glatzköpfige Männer visualisiert, einem Feind der Menschen, der sie beeinflusst, um ihnen die kostbare Zeit zu stehlen. Diesem Gegner muss sich Momo stellen, die als Einzige die Absichten der Zeitdiebe durchschaut hat. Hilfe bekommt sie von der Schildkröte Kassiopeia, die eine halbe Stunde in die Zukunft sehen kann und Momo dadurch öfters vor den grauen Männern bewahrt, und von Meister Hora, dem Wächter der Zeit.
Handwerklich wurde der Film mit einfachen aber zweckdienlichen Mitteln umgesetzt. Die Kulissen sind einfach und liebevoll gestaltet und schaffen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Auch die Darsteller sind gut gewählt. Die kleine Momo wurde von der damals 10jährigen Radost Bokel (Bitte lasst die Blumen leben) gespielt. Dies war ihre erste Rolle, wodurch sie direkt bekannt wurde und bis heute in Verbindung gebracht wird. Mit dabei ist auch Mario Adorf (Die rote Zora) und Michael Ende hat im Prolog einen Cameo-Auftritt, wo er im Zug auf Meister Hora, gespielt von John Huston (Die Außerirdischen), trifft. Und ich kenne wohl kaum einen Film, wo so viel geraucht wird wie hier, denn die grauen Männer müssen immer ihre aus Zeitblumen gewonnenen Zigarren rauchen, sonst lösen sie sich in Luft auf. Mittlerweile ist mjan ja davon ab, dass in Kinderfilmen groß geraucht wird, damals hat das keinen gejuckt.
Fazit: Ein zeitloser Märchenklassiker, der von der Umsetzung heute vielleicht leicht angestaubt wirkt, inhaltlich aber immer aktuell bleiben wird.
Filmkommentar von: Marcus Littwin
Veröffentlichungen
Der Film ist in mehreren Auflagen bei Kinowelt Home Entertainment auf DVD erschienen.
Filmbewertung
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